Vorbericht
Nachdem in Sumiswald am (offen)
durch Vereinssekretär Stähli
über die im Werden begriffene Bauern- & Bürgerpartei referiert worden
war, wurde auf hier die Gründung einer Sektion an die Hand genommen.
In unserer Gemeinde ergriff der Gemeinderat die Initiation dazu. Durch
ihn wurden Bogen in Cirkulation gesetzt auf denen in wenig Tagen ca.
180 stimmfähige Bürger unserer Gemeinde durch ihre Unterschrift den
Beitritt zu der neu zu gründenden Sektion erklärten. Am 11. Jan. fand
eine Versammlung statt, bestehend aus Gemeinderat und zugezogenen
Vertrauensmännern zur Besprechung aller diesbezüglichen Fragen. An
derselben wurde einstimmig beschlossen, einer später abzuhaltenden
großen Versammlung die Gründung einer Sektion Affoltern i.E. der Bern.
Bauern- & Bürgerpartei zu beantragen. Zugleich wurde der
Statutenentwurf vorberaten und Vorschläge für den Vorstand aufgestellt
zu Händen der konstituierenden Versammlung. Als Datum für diese wurde
Samstag, der 18. Januar bestimmt & als Referent Hr. Grossrat
Siegenthaler in Trub in Aussicht genommen, der von Hr. Grossrat
Glanzmann in dieser Angelegenheit schon begrüßt worden war. Um eine
möglichst zahlreiche Beteiligung zu erwirken, wurde beschlossen, die
Versammlung im Anzeiger zu publizieren und in Anbetracht der
Wichtigkeit derselben die stimmberechtigten Bürger unserer Gemeinde
zum Besuch dringend einzuladen. Als Verhandlungsgegenstände ergeben
sich:
1. Vortrag von Grossrat Siegenthaler Trub über:
Bedeutung, Zweck und Ziele der Bern. Bauern & Bürgerpartei. 2.
Statutenberatung. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Unvorhergesehenes. Zum
Schlüsse wurde noch bestimmt, dass an der konstituierenden Versammlung
Grossrat Glanzmann als Tagespräsident & Lehrer Zingg zum Tagessekretär
vorgeschlagen werden sollen.
Die Versammlung (Auszug)
Die Versammlung, zu der sich ca. 120 Bürger aus
unserer Gemeinde & von auswärts eingefunden haben, wurde von Grossrat
Glanzmann eröffnet, der die Anwesenden & besonders den Referenten, Hr.
Grossrat Siegenthaler in Trub, willkommen heisst. Er macht die
Teilnehmer einleitend auf die Bedeutung der heutigen Tagung
aufmerksam.
Bestellung des Tagesbureaus: Als Tagespräsident &
Sekretär werden nach Vorschlag der Hauptversammlung gewählt Grossrat
Glanzmann und Lehrer E. Zingg. Zu Stimmenzählern werden ernannt: Ernst
Christen, Karl Sommer, Gottl. Kneubühler, Schlosser, Joh. Jörg, Weyer,
Joh. Jakob, Küher, & Fritz Leuenberger, Eggerdingen. Darauf wird das
Wort dem Referenten erteilt.
Vortrag von Hr. Grossrat Siegenthaler, Trub, über
die Entstehung, Zweck, Ziel u. Organisation der Bern. Bauern &
Bürgerpartei.
Die Zeiten schreiten vorwärts. Der Krieg hat
nicht nur in den von ihm heimgesuchten Staaten, sondern auch in
unserem lieben Schweizerlande geradezu sprunghafte Veränderungen auf
wirtschaftlichem wie politischem Gebiet gebracht. Altes stürzt & Neues
bricht sich Bahn. Für uns gilt es heute, mehr denn je, sich nicht nur
in der Gegenwart zurechtzufinden, sondern mit weitem Blick in die
Zukunft zu schauen und eingedenk zu sein des Wortes: Wie man sich
bettet, so liegt man. Um das politische Moment vorwegzunehmen, muss
ich vorerst etwas bei den politischen Parteien verweilen. Unsere
alten, historischen politischen Parteien, die einander früher viel &
schwer in den Händen lagen, und in bewegten und wechselvollen Zeiten
einander die Vorherrschaft abrangen, sind die freisinnige &
konservative Partei. Heute haben sich die Wogen unter diesen Parteien
selbst geglättet und wir alle, die wir uns nicht zu der alten Garde
zählen, konnten manchmal fast nicht verstehen warum diese beiden
bürgerlichen Parteien noch so gerne zueinander Hund und Katze
spielten. - Ihnen hat sich nun in den letzten Jahren ein dritter im
Kampfe zugesellt, der die Streitaxt schwingt & alles, was nicht mit
ihm ist, zu zerschlagen sucht. Das ist die sozialistische Partei. Ihre
Kinderschuhe waren wohl die schweizerischen Grütlivereine, die sich
eine soziale Besserstellung der Arbeiterklassen zum Ziel genommen
hatten, offenbar ein Programm, dem wir heute ohne weiteres zustimmen
könnten. Die Sache machte Schule, es erwuchs die sozialdemokratische
Partei, die ihre Forderungen immer höher stellte, es meisterhaft
verstand, mit dem wirtschaftlichen auch das politische Moment zu
pflegen und immer mehr in den Vordergrund zu stellen. Nicht alles, was
diese Partei forderte, soll bemängelt werden; es darf & soll auch
ruhig anerkannt werden, dass in ihr tüchtige Männer ernsthaft, ehrlich
und redlich am Wohl der unteren Volksklassen & am Wohl des
Gemeinganzen arbeiteten. Es drängten sich aber auch Männer hinzu,
deren Wiege nicht in einem Schweizerhause stand, die weder nach
Schweizerart denken noch fühlen konnten, wohl aber glaubten, im Lande
der Hirtenknaben ihren politischen Größenwahn & ihren Ehrgeiz, der
ihnen anderswo nicht in Blüte gehen wollte, recht entfalten zu können.
Um dies zu erreichen, durften sie in der Auslese der Mittel nicht
wählerisch sein. Unzufriedene, blinde Nachzüger müssen sie haben, wenn
der Schöpfer & die allgemeinen Zeitverhältnisse sie nicht in
genügender Menge geschaffen, so müssen sie durch Verhetzung, blöde
Versprechungen Opposition gegen die verantwortlichen Behörden & wie
derartige Mittel alle heißen, gepflanzt werden. Wir kennen heute aus
dem Generalstreik die Namen der gegenwärtigen Führer der
sozialdemokratischen Partei, jeder von euch weiß auch, wohin sie unser
Bürgertum & unser Vaterland hintreiben wollen & mit welchen Mitteln
sie ihre Gefolgschaft heranziehen, sonst lese man nur einige Nummern
der "Berner Tagwacht". Männer, die auf dem Boden bestehenden Recht &
bestehender Ordnung an einen gesunden sozialen Ausgleich mit großem
Erfolg ihr Bestes getan, haben die externen Umsturzführer von heute
und ihre Partei verstoßen.